Toxische Beziehungen sind grenzenlos

In toxischen Beziehungen ärgern wir uns über das Verhalten des Partners.
Der tendenziell eher narzisstische Partner überschreitet, ohne mit der Wimper zu zucken unsere Grenzen, in dem er uns massiv abwertet oder sich nicht an Vereinbarungen hält. Ich kenne das Verhalten sehr gut.
Kaum hatte mein Partner mir versprochen mit den Abwertungen aufzuhören, fiel erneut ein Wort, das zu weiteren Verletzungen führte.
Somit waren wir aus heutiger Sicht, wir beide in unserer Aussage sehr unglaubwürdig. Er mit seinen vermeintlichen Entschuldigungen und ich mit einer ausgesprochenen Grenze, die keine war.

Grenzen auszusprechen, auf die keine Konsequenz folgt, ist am Ende ein Versuch für sich einzustehen, doch eben nur ein Versuch. Es geht nicht darum, dass du selbst schuld bist, dass andere deine Grenzen überschreiten. Es geht vielmehr darum die volle Verantwortung für sich zu übernehmen. Natürlich kann ich verstehen, dass du Angst vor Sanktionen hast oder vor einer Trennung. Das Problem dabei ist, dass dein Partner deine Inkonsequenz als Freifahrtschein wertet und an seinem Verhalten festhält.

Die Wichtigkeit deiner Grenzen

Sobald wir eine Grenze aussprechen, teilen wir unserem Gegenüber mit, was uns gerade zu weit geht. Wir setzen damit ein deutliches Zeichen: Stopp, es reicht! Und das ist total in Ordnung, dass du das machst.
In dem Moment, wo du deine Grenze aussprichst, steckst du dein „Hoheitsgebiet“ ab. Das ist dein Feld, worin du dich wohl und sicher fühlst.
Sobald jemand ungebeten in deinem geschützten Rahmen eindringen möchte, löst dieses in dir Unbehagen aus.

Was für dich eine Grenzüberschreitung darstellt, kann für eine andere Person unbedeutend sein. Deshalb ist es schon zu Beginn einer Beziehung wichtig, seine Grenzen zu kommunizieren. Wenn du an einem Menschen gerätst, der dir ehrlich zugewandt ist, wird er diese respektieren.
In toxischen Beziehungen gibt es keine wirklichen Grenzen. Dem tendenziell eher narzisstischen Partner interessieren nur seine eigenen Grenzen.
Die verteidigt er auch gnadenlos.

Häufig wissen wir noch nicht einmal, wo unsere Grenzen liegen.
In der Kindheit blieben unsere Bedürfnisse oftmals unbeachtet. Sogar der eigene Wille kann durch Übergriffe gebrochen worden sein. In solchen Momenten spalten wir uns von unserer emotionalen Welt ab und zurück bleibt ein Mensch ohne Gespür für sein Inneres.

Warum fällt es schwer Grenzen zu setzen?

Ich weiß, in der Theorie klingt das alles ganz einfach.
Dadurch, dass ich selbst in einer Familie groß geworden bin, in der Übergriffe stattfanden und im weiteren Verlauf auch in meinen toxischen Beziehungen, weiß ich, dass es unfassbar schwer ist für sich einzustehen.

Schon beim Gedanken, ein „Nein“ auszusprechen, überkommt uns ein schlechtes Gewissen. Seine eigenen Bedürfnisse zu priorisieren, löst ein mulmiges Gefühl in der Magengegend aus.

Ich verstehe das so gut, im ersten Moment den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. „Ach, dann mach ich das schnell noch.“ Kennst du diesen Satz aus deinem Leben? Dahinter steht häufig die Sehnsucht nach Harmonie. Das kann auch eine Zeitlang gutgehen. Doch mit der Zeit kochen innerlich deine angestauten Emotionen über. Das bedeutet, wenn du deine Grenzen nicht wahrst, sondern andere Menschen wichtiger nimmst als dich selbst, dass dich das irgendwann wütend machen wird.

Ein geringer Selbstwert ist ebenfalls eine Ursache, warum wir anderen Menschen gerecht werden wollen und somit über unsere eigenen Grenzen gehen.

Wir werden zum Spielball unseres Umfeldes und verlieren den Bezug zu uns und unserem Leben. Herzlich Willkommen in deinem fremdbestimmten Leben.
Es ist nicht böse gemeint. Vielmehr möchte ich dir verdeutlichen, welchen Preis es hat, immerzu Sonnenschein im Leben erhalten zu wollen.
Es kann passieren, dass dunkle Wolken aufziehen, sobald du deine Grenzen klar absteckst. Dein Gegenüber steht nun auch einer neuen Situation gegenüber.
Doch langfristig werden sich dadurch deine Beziehungen verbessern.
Die Mitmenschen um dich herum lernen dich so besser kennen und können dein Verhalten besser deuten.

Den meisten Menschen ist noch nicht einmal bewusst, dass sie gerade in dein Hoheitsterrain eingedrungen sind. Eine dir zugewandte Person wird darüber sehr dankbar sein, denn so weiß sie genau, woran sie bei dir ist. Was für ein Geschenk.
Wie schon eingangs erwähnt wird dieses in toxischen Beziehungen nicht möglich sein, denn deinem Narzissten geht es einzig und allein nur um seine Belange.

5 Tipps zum Grenzen setzen. Ja zu mir!

Worauf muss ich achten, um meine Grenzen zu wahren?

1. Bewusstmachung meiner Grenzen

Um dir über deine Grenzen bewusst zu werden, gehe bitte in dich und überlege dir, in welchen Situationen du Ja sagst, doch innerlich Nein spürst.
Notiere dir die Situationen, um es schwarz auf weiß sehen zu können, wann und bei wem du dir gegenüber unehrlich wirst. Wann wird es dir schlichtweg einfach zu viel im Miteinander? Diese Reflexion wird dich darin unterstützen, deine Grenzen zukünftig besser abstecken zu können.

2. Ich kommuniziere meine Grenzen

Ja, ich muss gestehen, dass es sich in den ersten Versuchen recht unangenehm anfühlt. Natürlich möchtest du dein Gegenüber nicht verletzen.
Es geht darum, zukünftig dein Unwohlsein ein Stückweit auszuhalten, sobald eine Situation auftaucht, in der du ein Ja zu dir aussprichst. Sprich aus, was du dir stattdessen wünschst. Vielleicht Bedenkzeit? Kommuniziere klar und deutlich und unmissverständlich, damit deine Grenze richtig adressiert wird.

3. Ich rechtfertige mich nicht für meine Grenzen

Dadurch, dass dich das schlechte Gewissen plagt, wirst du in Versuchung geraten, dich für dein „Nein“ zu rechtfertigen.
Rechtfertige dich niemals für ein „Ja zu dir.“
Du darfst für dich einstehen und musst nicht für Jedermann immer und jederzeit verfügbar sein. Sobald du anfängst dich zu rechtfertigen, wird dein Gegenüber diese Lücke für sich nutzen. Bleibe standpunktsicher und lobe dich innerlich, sobald du bei deinem „Nein“ geblieben bist.

4. Ich ziehe Konsequenzen bei erneuter Missachtung

Wenn du dich in einer toxischen Beziehung befindest, überschreitet dein Partner deine Grenzen unentwegt. Das ist weder normal noch in Ordnung.
Um glaubhaft zu bleiben und nicht deine Würde zu verlieren, braucht es bei erneuter Missachtung eine logische Konsequenz. Es bringt dir alles nichts, wenn du abermals das Gespräch zu ein und derselben Situation suchst.
Es ist reine Zeitverschwendung.

5. Ich lege die Rolle des Everybody’s darling ab

Everybody’s Darling is everybody’s Depp. So oder so ähnlich habe ich es irgendwo gelesen und ich finde es mehr als passend.
Solange du es jedem recht machen willst, vergisst du eine ganz wichtige Person dabei. Dich!
Ja, es kann sein, dass sich Menschen von dir abwenden werden, weil sie keinen Nutzen mehr aus eurer Verbindung ziehen können. Es kann aber auch sein, dass es nun einfach nicht mehr passt, weil du dich in eine neue Richtung entwickelst, sobald du mehr und mehr für dich einstehst. Andere wiederum werden dich dafür feiern.

Zusammenfassung

Grenzen zu setzen ist gerade am Anfang unfassbar schwer. Zumal wir dieses Muster schon ewig lange in uns tragen.

Übe dich zuerst in Freundschaften und innerhalb deiner Familie. Taste dich allmählich vor, indem du auch im Job mehr und mehr deine Grenzen ziehst.

Werde mutiger und kommuniziere ebenfalls unmissverständlich, klar und deutlich deine Grenzen, innerhalb deiner Partnerschaft.

Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Mit dir bist du 24 Stunden, 7 Tage die Woche zusammen. Bitte nimm dich ab diesem Moment wichtig und spreche ein deutliches Ja zu dir aus und Nein zu Menschen und Situationen, die dir nicht guttun.

Von Herz zu Herz, deine Martina

Hilfe, um toxische Beziehungen zu verarbeiten und dir zu einem starken ICH zu verhelfen, erhältst du bei mir.

Ich freue mich auf dich.

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