Podcast#277 – Die Phase nach persönlichem Wachstum

19. Dezember 2025

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Die Phase nach persönlichem Wachstum, ist oftmals nicht so, wie wir es uns vorstellen. Vielleicht kennst du diesen Moment: Du hast eine innere Entscheidung getroffen, etwas Altes losgelassen, eine Grenze gesetzt oder dich in dir selbst neu ausgerichtet und danach passiert nicht das große Feuerwerk, sondern etwas völlig anderes. Es wird still. Du wirst müde. Manchmal fühlt es sich sogar leer an. Viele Frauen erschrecken dann und denken, sie hätten sich geirrt oder wären wieder zurückgefallen. In Wahrheit ist diese Phase häufig ein Zeichen dafür, dass dein System aufhört, im Dauer-Alarm zu laufen. Du bist nicht „weg.“ Du bist gerade dabei, dich neu zu sortieren. Dieser Beitrag ist für dich, wenn du spürst: Ich bin gewachsen, aber ich weiß noch nicht, wie sich das neue Leben anfühlt. Und ich brauche Worte, Orientierung und einen ruhigen Rahmen, der mich nicht pusht, sondern hält.

Wenn persönliches Wachstum nicht euphorisch, sondern still wird

Viele von uns haben gelernt, Veränderung an Intensität zu erkennen: an Tränen, an Mut-Momenten, an klaren Entscheidungen, an einem „Jetzt reicht’s“. Das sind oft die sichtbaren Marker eines Durchbruchs. Doch sobald die Intensität abebbt, entsteht ein ungewohntes Vakuum. Das Gehirn sucht nach dem nächsten Problem, weil es Sicherheit darin kennt, beschäftigt zu sein. Und das Nervensystem, das jahrelang Spannung gewohnt war, registriert Entspannung zunächst nicht als Frieden, sondern als „ungewöhnlich“. Ungewöhnlich wird dann schnell als gefährlich interpretiert. So entsteht die innere Stimme: das kann doch nicht alles gewesen sein. Ich müsste doch jetzt motivierter sein. Oder glücklicher. Oder klarer. Dabei ist es sehr häufig genau andersherum: Wenn du nicht mehr im alten Muster festhängst, fehlen die altbekannten inneren Reize und das fühlt sich im ersten Moment wie Leere an.

Der Irrtum, dass Heilung sich immer „gut“ anfühlen muss

Heilung wird oft romantisiert. Als würde sie bedeuten, dass man nach einer Entscheidung sofort leichter atmet, sofort strahlt, sofort in die nächste Stufe springt. In der Realität ist Heilung häufig bodenständig. Sie kann sich wie eine innere Neuverkabelung anfühlen. Du bist nicht mehr die Frau, die sich durch Anpassung, Überverantwortung oder ständiges Erklären stabilisiert hat, aber du bist auch noch nicht vollständig in der neuen Selbstverständlichkeit angekommen. Genau hier liegt die Integrationsphase. Sie ist unspektakulär, manchmal zäh, manchmal traurig, manchmal einfach still. Und trotzdem ist sie ein großer Fortschritt, weil dein System lernt, ohne Drama, ohne Übererregung und ohne ständige Außenorientierung zu existieren.

Was im Nervensystem nach einem inneren Durchbruch passiert

Ein innerer Durchbruch bedeutet oft: du beendest etwas, das dich über Jahre reguliert hat. Für manche war es das ständige Hoffen auf Resonanz, das Kreisen um Antworten oder das Gefühl, Beziehungen „halten“ zu müssen. Für andere war es der innere Antreiber, immer stark zu sein, immer präsent, immer verfügbar. Diese Muster haben eine Funktion: sie erzeugen Aktivität, und Aktivität erzeugt das Gefühl von Kontrolle. Wenn du Kontrolle loslässt, fällt nicht nur das Problem weg, sondern auch das gewohnte Steuerungssystem. Dein Körper kann dann in einen Zustand rutschen, den man als „runterfahren“ beschreiben könnte: Müdigkeit, Rückzug, weniger Worte, weniger Lust auf Außen. Das ist nicht Faulheit und auch kein Stillstand. Es ist oft Regulation.

Warum Leere oft ein Zeichen von Regulation ist – nicht von Rückschritt

Warum Leere oft ein Zeichen von Regulation ist – nicht von Rückschritt

Regulation bedeutet: Dein Nervensystem findet in einen Bereich, in dem es nicht kämpfen, nicht fliehen und nicht erstarren muss, um sich zu schützen. Gleichzeitig kann Regulation ungewohnt sein, wenn dein Leben lange aus innerer Anspannung bestanden hat. Leere ist dann manchmal nur der Name für einen Raum, der vorher permanent gefüllt war, mit Sorgen, Planen, Aushalten, Funktionieren. Wenn dieser Lärm leiser wird, hörst du plötzlich dich selbst. Und das kann verletzlich machen. Viele Frauen verwechseln diese Verletzlichkeit mit Schwäche. In Wahrheit ist sie ein Hinweis darauf, dass du nicht mehr betäubt bist. Du fühlst feiner. Du spürst genauer. Und du erkennst schneller, was nicht mehr passt. Wenn deine Energie gerade still wird, frage dich nicht zuerst „Was stimmt nicht?“, sondern „Was muss ich nicht mehr kompensieren?“

Warum genau diese Phase so oft missverstanden wird

Wenn nach dem Durchbruch Stille entsteht, kommt häufig ein alter Mechanismus zurück: die Suche nach einem neuen „Projekt“. Man startet wieder mit Optimierung, mit dem nächsten Kurs, mit dem nächsten „Ich muss mich zusammenreißen“, oder man greift zurück zu alten Beziehungen und Dynamiken, nur um wieder etwas zu fühlen. Das hat weniger mit fehlender Reife zu tun als mit Gewohnheit. Das Nervensystem kennt Intensität, und Intensität fühlt sich kurzfristig lebendig an. Eine reife Form von Lebendigkeit ist jedoch nicht immer laut. Sie ist oft ruhig, klar und auf eine Weise warm, die nicht durch Stress erzeugt wird. Diese Art von Lebendigkeit muss sich erst im Körper verankern. Dafür braucht es Zeit.

Warum diese Phase keine Krise, sondern Integration ist

Integration bedeutet: dein inneres System passt sich an deine neue Wahrheit an. Das ist vergleichbar mit einem Umzug: Du hast die Schlüssel zur neuen Wohnung, aber die Kartons stehen noch überall. Du weißt, du willst hier leben, aber noch wirkt es fremd. In Integrationsphasen sortiert sich dein Blick auf Beziehungen, Arbeit, Freundschaften und sogar auf deine Bedürfnisse neu. Du wirst wählerischer. Du merkst schneller, wenn Gespräche dich auslaugen. Du spürst deutlicher, wenn du dich anpasst, nur um zu funktionieren. Gleichzeitig wächst deine Fähigkeit, dich selbst zu halten, ohne sofort im Außen nach Bestätigung zu suchen. Das ist ein stiller, aber fundamentaler Reifeschritt.

Ein Beispiel dafür ist der Umgang mit unterschiedlichen Bedürfnissen in Beziehungen: vielleicht möchte eine Person am Abend eher Rückzug, Ruhe oder Schlaf, während die andere Person noch Austausch, Aktivität oder Ablenkung sucht. Früher hast du dich womöglich automatisch angepasst, um Harmonie zu sichern, und hast dabei deine eigene Grenze übergangen. Nach einem Durchbruch merkst du schneller, wenn du innerlich die Zähne zusammenbeißt. Du erkennst früher den Moment, in dem dein Körper signalisiert: das ist zu viel. Und du lernst dann nicht, den anderen zu kontrollieren oder zu belehren, sondern dich selbst so zu führen, dass du nicht wieder in alte Selbstverleugnung rutschst. Genau diese Art von Selbstführung entsteht in der Phase nach dem Durchbruch.

Wie du dich in dieser Phase selbst halten kannst

Wie du dich in dieser Phase selbst halten kannst

Was du jetzt nicht tun solltest in dieser Phase, gebe ich dir aus eigener Erfahrung mit:
Du musst in dieser Phase nicht lauter werden, um dich wieder zu spüren. Du musst auch nicht krampfhaft produktiv sein, um „zu beweisen“, dass du vorankommst. Und du musst niemandem erklären, warum du weniger redest oder weniger verfügbar bist. Je mehr du dich in dieser stillen Phase pushst, desto eher reaktivierst du das alte System, das dich über Leistung, Anpassung oder Kontrolle stabilisiert hat. Dein Ziel ist nicht, die Leere schnell zu beenden, sondern sie zu verstehen: als Übergangsraum, in dem dein neues Selbst zur Normalität wird.

Was stattdessen trägt: Stille, Körper, Erdung, Vertrauen

Was jetzt trägt, ist schlicht und gleichzeitig radikal: du kommst zurück in den Körper. Erdung ist nicht nur ein schönes Wort, sondern eine konkrete Entscheidung, die Aufmerksamkeit vom Kopf in den Körper zu bringen. Das kann heißen, dich auf den Boden zu legen und den Untergrund bewusst zu spüren, langsam zu atmen und die Ausatmung zu verlängern, oder dich für zehn Minuten zu bewegen, ohne Ziel, nur um wieder bei dir anzukommen. Es kann auch heißen, klare Mini-Routinen zu halten: morgens ein paar Zeilen schreiben, ein warmes Getränk, ein kurzer Blick nach draußen, ein Moment ohne Handy. Vertrauen wächst, wenn dein System erlebt: ich muss nicht sofort reagieren. Ich darf fühlen. Und ich bleibe sicher.

Wenn du dir für diese Phase einen ganz einfachen Kompass geben möchtest, dann orientiere dich an drei Fragen, die du dir immer wieder stellen kannst:

  • Was brauche ich gerade wirklich und was tue ich nur, um etwas zu vermeiden?
  • Wo habe ich mich heute angepasst, obwohl mein Körper schon „Nein“ gesagt hat?
  • Was wäre ein kleiner Schritt, der mich zurück in meine eigene Gegenwart bringt?

Fazit

Die Phase nach dem Durchbruch ist nicht glamourös, aber sie ist wertvoll. Sie ist der Teil deiner Entwicklung, in dem du nicht mehr nur etwas erkennst, sondern es wirklich lebst. Leise, konsequent, verkörpert. Wenn du dich gerade still, müde oder sogar leer fühlst, kann das bedeuten: Dein System hört auf, sich über Stress zu organisieren, und beginnt, sich über Wahrheit zu stabilisieren. Du musst in dieser Phase nichts beweisen. Du darfst sie durchlaufen, in deinem Tempo, mit Respekt vor deinem Körper. Und genau daraus entsteht später die Strahlkraft, die nicht aus Aktionismus kommt, sondern aus innerer Stimmigkeit. Wenn du möchtest, kannst du dir am Ende eine einzige Frage mitnehmen, die dich zurück in deine Führung bringt: „Was wäre heute mein erwachsenes Ja und was ist mein klares Nein?“

Häufige Fragen (Q&A)

Warum fällt mir das Loslassen so schwer?

Ja, warum fällt mir das Loslassen so schwer? Loslassen fällt schwer, weil dein Nervensystem lange Sicherheit über Bindung reguliert hat. Du lässt dabei nicht nur einen Menschen oder eine Situation los, sondern auch eine gewohnte innere Orientierung. Oft halten wir an Hoffnung, Bedeutung oder Resonanz fest – nicht an der Person selbst. Erst wenn innere Sicherheit wächst, darf Loslassen sich leicht anfühlen.

Wie kann ich im Vertrauen bleiben?

Im Vertrauen bleiben bedeutet, bei dir zu bleiben, auch wenn im Außen gerade keine Antworten kommen. Nach inneren Durchbrüchen braucht das Leben oft Zeit, um sich neu zu sortieren. Vertrauen heißt, alte Strategien nicht aus Ungeduld zu reaktivieren. Du darfst wissen: Stille ist kein Stillstand, sondern Integration.

Wie kann ich emotionale Abhängigkeit lösen

Emotionale Abhängigkeit lösen bedeutet, dass du Verantwortung für deine Gefühle übernimmst, statt sie im Außen regulieren zu lassen. Nähe darf dann freiwillig sein, nicht überlebensnotwendig. Du lernst, Trigger von echten Grenzverletzungen zu unterscheiden. So bleibst du offen, ohne dich selbst zu verlieren.

Hilfe, um toxische Beziehungen zu verarbeiten und dir zu einem starken ICH zu verhelfen, erhältst du bei mir.
Ich freue mich auf dich.
Von Herz zu Herz, deine Martina

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