Podcast#281 – Ich komme einfach nicht zur Ruhe

16. Januar 2026

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen

Ich komme einfach nicht zur Ruhe. Vielleicht kennst du diesen Satz nicht nur als Gedanken, sondern als Zustand. Du wachst morgens schon angespannt auf, dein Kopf ist sofort da, du analysierst, reflektierst, ordnest ein, verstehst Zusammenhänge und trotzdem bleibt etwas in dir unruhig. Obwohl du so viel über dich weißt. Obwohl du schon so viel innere Arbeit gemacht hast. Obwohl du eigentlich „weiter sein müsstest“. Und genau das macht es oft noch schwerer. Viele Frauen, die zu mir finden, sind sehr reflektiert. Sie haben gelernt, ihre Gefühle zu verstehen, ihre Muster zu erkennen, ihre Vergangenheit einzuordnen.

Sie können benennen, was in ihnen passiert. Und trotzdem fehlt etwas Entscheidendes: Echte innere Ruhe. Nicht, weil sie etwas falsch machen, sondern weil Reflexion irgendwann aufhört, Sicherheit zu geben. Was früher Halt war, wird plötzlich zur Endlosschleife. Der Kopf arbeitet weiter, während der Körper längst erschöpft ist. Überanalysieren und ständiges Reflektieren fühlen sich oft klug, bewusst und kontrolliert an. In Wahrheit sind sie jedoch häufig eine feine, gut getarnte Form von Flucht. Dieser Beitrag ist für dich, wenn du merkst, dass du nicht noch mehr verstehen musst, sondern etwas anderes brauchst. Etwas Tieferes. Etwas, das dich nicht weiter antreibt, sondern endlich ankommen lässt.

Ich komme einfach nicht zur Ruhe – obwohl ich schon so viel reflektiert habe

Wenn Frauen sagen: „Ich komme einfach nicht zur Ruhe“, dann meinen sie oft nicht, dass ihr Leben chaotisch ist oder, dass sie nichts verstanden hätten. Im Gegenteil. Viele haben sich intensiv mit sich selbst beschäftigt, haben Bücher gelesen, Therapieerfahrung gesammelt und können ihre inneren Prozesse sehr genau benennen. Und trotzdem bleibt da diese unterschwellige Anspannung. Dieses Gefühl, nie ganz anzukommen. Nie wirklich sicher zu sein. Nie vollständig zu entspannen. Das liegt nicht daran, dass Reflexion falsch ist. Reflexion ist ein wertvolles Werkzeug. Sie hilft uns, uns selbst zu verstehen, Zusammenhänge zu erkennen und alte Muster sichtbar zu machen. Doch für viele Frauen ist genau dieses Werkzeug irgendwann zu einer Dauerstrategie geworden. Der Kopf bleibt permanent aktiv, weil er gelernt hat, dass Denken Sicherheit gibt. Solange analysiert wird, bleibt alles kontrollierbar. Solange reflektiert wird, fühlt es sich an, als hätte man sich im Griff.

Das Problem entsteht, wenn Reflexion nicht mehr aus Klarheit geschieht, sondern aus innerer Unruhe. Dann wird sie nicht mehr bewusst eingesetzt, sondern übernimmt unbemerkt die Führung. Gedanken kreisen, Gespräche werden innerlich nachbereitet, Situationen werden immer wieder neu bewertet. Nicht, um etwas zu lösen, sondern um das Gefühl von Unsicherheit nicht spüren zu müssen. Viele Frauen verwechseln diesen Zustand mit persönlichem Wachstum. In Wahrheit ist es oft ein Zeichen dafür, dass das Nervensystem dauerhaft im Alarmmodus ist. Der Körper findet keinen Zugang zu Ruhe, weil er gelernt hat, dass Wachsamkeit notwendig ist. Das Denken läuft weiter, auch wenn längst keine Gefahr mehr da ist. Innere Ruhe entsteht nicht dadurch, dass wir alles verstanden haben. Sie entsteht, wenn der Körper die Erfahrung machen darf, dass er sicher ist, auch ohne permanente Kontrolle. Genau hier beginnt ein anderer Weg. Einer, der weniger erklärt und mehr spürt. Einer, der nicht noch tiefer analysiert, sondern langsam aus der Überforderung herausführt. 

Warum ständiges Reflektieren oft eine unbewusste Flucht ist 

Ständiges Reflektieren fühlt sich für viele Frauen nicht wie eine Flucht an. Es fühlt sich nach Verantwortung an. Nach Bewusstsein. Nach innerer Reife. Und genau deshalb wird es so selten hinterfragt. Wer viel denkt, viel analysiert und sich selbst immer wieder überprüft, gilt als aufmerksam, sensibel und entwickelt. Doch auf der Ebene des Nervensystems erzählt dieses Verhalten oft eine andere Geschichte. Reflexion wird dann zur Flucht, wenn sie nicht mehr aus innerer Freiheit entsteht, sondern aus dem unbewussten Bedürfnis nach Sicherheit. Der Kopf übernimmt die Führung, weil der Körper gelernt hat, dass Wachsamkeit schützt. Viele Frauen haben früh erfahren, dass sie sich selbst regulieren müssen. Dass niemand kommt, um sie zu halten. Also wurde Denken zum Halt, Verstehen zur Stabilität, Kontrolle zur Beruhigung. Nicht aus Schwäche, sondern aus Anpassung

Das Nervensystem speichert diese Erfahrung. Es lernt: Solange ich analysiere, bin ich vorbereitet. Solange ich reflektiere, verliere ich nicht die Kontrolle. Das Problem ist nicht das Denken selbst, sondern die Tatsache, dass es nicht mehr abgeschaltet werden kann. Auch dann nicht, wenn eigentlich Ruhe möglich wäre. Auch dann nicht, wenn keine akute Gefahr besteht. Überanalyse hält uns in Bewegung. Sie verhindert, dass wir wirklich anhalten. Denn im Anhalten würden Gefühle spürbar, die lange keinen Raum hatten. Unsicherheit. Traurigkeit. Erschöpfung. Oder einfach innere Leere. Reflexion schützt davor, diese Zustände vollständig zu fühlen. Sie hält Abstand zwischen uns und dem eigenen Körper. Innere Ruhe entsteht jedoch nicht im Kopf. Sie entsteht, wenn das Nervensystem erlebt, dass es nicht ständig wachsam sein muss. Dass nichts Schlimmes passiert, wenn wir nicht alles sofort einordnen. Dass wir gehalten sind, auch ohne Erklärung. Erst wenn das Denken nicht mehr regulieren muss, kann der Körper beginnen, sich zu entspannen. Und genau hier liegt der Übergang von Reflexion zu echter innerer Sicherheit. 

Woran du erkennst, dass dein Nervensystem keine Ruhe findet 

Vielleicht fragst du dich beim Lesen, ob das, was hier beschrieben wird, wirklich auf dich zutrifft. Denn oft ist diese Form der inneren Unruhe so normal geworden, dass sie kaum noch auffällt. Sie zeigt sich nicht immer laut oder dramatisch, sondern eher subtil, im Alltag, zwischen Terminen, Gedanken und scheinbarer Funktionalität. Ein deutliches Zeichen ist, dass du kaum noch wirklich abschalten kannst. Selbst in ruhigen Momenten ist dein Kopf aktiv. Gespräche laufen innerlich weiter, Situationen werden nachträglich analysiert, Entscheidungen immer wieder überprüft. Du liegst abends im Bett und merkst, dass dein Körper müde ist, dein Geist aber noch arbeitet. Nicht, weil es etwas Konkretes zu lösen gäbe, sondern weil Stillstand sich unangenehm anfühlt.

Viele Frauen berichten auch davon, dass sie ständig in sich hineinspüren, um „richtig“ zu reagieren. Bin ich gerade zu sensibel? Reagiere ich angemessen? Habe ich das jetzt gut gemacht? Diese innere Selbstbeobachtung wirkt kontrolliert, kostet aber enorm viel Energie. Sie hält das Nervensystem in einer leichten Alarmbereitschaft, selbst in sicheren Situationen. Ein weiteres Zeichen ist emotionale Erschöpfung ohne klaren Auslöser. Du funktionierst, du machst weiter, aber innerlich bist du schnell überfordert, reizbar oder leer. Kleine Veränderungen, spontane Planänderungen oder Ungewissheit bringen dich schneller aus dem Gleichgewicht, als du es von dir kennst. Nicht, weil du instabil bist, sondern weil dein System keine echte Erholung kennt. Wenn Reflexion zur Dauerstrategie wird, verliert der Körper den Zugang zu Vertrauen. Dann entsteht das Gefühl, nie ganz sicher zu sein, obwohl objektiv alles in Ordnung ist. Genau hier beginnt die Einladung, weniger zu erklären und mehr zu regulieren. Nicht durch weiteres Verstehen, sondern durch kleine Erfahrungen von Sicherheit im Jetzt.

Wie innere Sicherheit entsteht, wenn du aufhörst, alles zu verstehen wollen

Wie innere Sicherheit entsteht, wenn du aufhörst, alles zu verstehen wollen

Innere Stabilität und Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass wir endlich alles richtig analysieren. Sie entsteht auch nicht durch die nächste Erkenntnis, den nächsten Aha-Moment oder das nächste tiefe Gespräch mit uns selbst. Für viele Frauen ist genau das zunächst irritierend, weil sie gelernt haben, dass Verstehen gleichbedeutend mit Kontrolle ist. Doch das Nervensystem funktioniert anders als der Verstand. Wenn du ständig reflektierst, versuchst du unbewusst, Sicherheit im Denken zu erzeugen. Dein Körper sucht Halt im Überblick. Im Erklären. Im Einordnen. Doch echte innere Sicherheit entsteht erst dann, wenn dein Nervensystem erlebt, dass es nicht ständig aufpassen muss. Dass es okay ist, nicht alles im Griff zu haben. Dass nichts Schlimmes passiert, wenn du für einen Moment nicht weißt, wie es weitergeht.

Dieser Übergang fühlt sich für viele Frauen zunächst ungewohnt an. Manchmal sogar beängstigend. Denn wenn der Kopf leiser wird, wird der Körper lauter. Gefühle, die lange überdeckt waren, können sich zeigen. Müdigkeit. Traurigkeit. Eine tiefe Sehnsucht nach Gehaltensein. Das ist kein Rückschritt, sondern ein Zeichen dafür, dass dein System beginnt, sich zu entspannen. Innere Sicherheit entsteht durch Wiederholung. Durch kleine Momente, in denen du dich nicht selbst antreibst. In denen du dich nicht optimierst. In denen du nicht analysierst, warum du dich so fühlst, sondern einfach wahrnimmst, dass es gerade so ist. Dein Nervensystem lernt dabei, dass es diese Zustände überlebt. Dass es nicht kollabiert, wenn du innehältst. Dass Ruhe kein Risiko ist. Viele Frauen spüren an diesem Punkt einen inneren Widerstand. Gedanken wie: „Dann verliere ich mich.“ oder „Dann werde ich passiv.“ Doch das Gegenteil ist der Fall. Wenn dein Nervensystem sich sicher fühlt, entsteht Handlungskraft von selbst. Nicht aus Druck, sondern aus Klarheit. Nicht aus Angst, sondern aus Verbundenheit mit dir selbst. 

Warum viele Frauen Angst vor dem Nicht-Tun haben 

Für viele Frauen fühlt sich das Nicht-Tun nicht nach Ruhe an, sondern nach Kontrollverlust. Sobald kein inneres Projekt mehr läuft, kein Thema mehr bearbeitet wird und keine Frage mehr offen analysiert wird, entsteht eine leise Unruhe. Diese Unruhe wird oft missverstanden als Zeichen dafür, dass noch „etwas zu klären“ sei. In Wahrheit ist sie häufig ein altes Warnsignal des Nervensystems. Viele reflektierende Frauen haben früh gelernt, dass Stillstand gefährlich sein kann. Vielleicht nicht konkret im Außen, aber emotional. Ruhe bedeutete früher oft Alleinsein, Übersehenwerden oder das Gefühl, nicht gehalten zu sein. Also wurde Aktivität zur Strategie. Denken zum Schutz. Reflektieren zur Verbindung. Solange innerlich Bewegung herrschte, war man nicht ausgeliefert.

Das Nervensystem speichert diese Erfahrung nicht als Geschichte, sondern als Körperzustand. Es reagiert nicht auf rationale Erklärungen, sondern auf Muster. Wenn heute keine akute Gefahr besteht und trotzdem Unruhe auftaucht, dann nicht, weil etwas fehlt, sondern weil das System eine alte Reaktion abspult. Nicht-Tun fühlt sich dann nicht sicher an, obwohl es objektiv ungefährlich ist. Viele Frauen haben Angst, im Nicht-Tun ihre Identität zu verlieren. Wer bin ich, wenn ich nicht analysiere, nicht begleite, nicht verstehe, nicht funktioniere? Diese Frage taucht oft unbewusst auf. Reflexion ist dann nicht nur Regulation, sondern auch Selbstdefinition. Sie gibt Struktur, Bedeutung und das Gefühl, „richtig“ zu sein. Doch innere Sicherheit wächst nicht, indem wir uns ständig beschäftigen. Sie wächst, wenn das Nervensystem neue Erfahrungen macht. Wenn es erlebt, dass nichts Schlimmes passiert, wenn wir nicht eingreifen. Dass Verbindung nicht verloren geht, wenn wir still werden. Dass wir auch ohne innere Aktivität existieren dürfen.

Wie du lernst, im Nicht-Wissen zu bleiben, ohne dich zu verlieren 

Der schwierigste Schritt für viele reflektierende Frauen ist nicht das Verstehen, sondern das Aushalten. Aushalten, dass gerade keine Antwort da ist. Kein klarer nächster Schritt. Kein inneres Narrativ, das Sicherheit gibt. Genau hier greift meist automatisch das alte Muster: Analysieren, erklären, einordnen, bewerten. Nicht, weil es falsch ist, sondern weil es vertraut ist. Im Nicht-Wissen zu bleiben, fühlt sich für das Nervensystem oft wie ein Kontrollverlust an. Dabei ist es in Wahrheit ein Umlernen. Dein System darf erfahren, dass es nicht permanent aktiv sein muss, um sicher zu sein. Dass nichts zusammenbricht, wenn du nicht sofort reagierst. Dass du bleiben kannst, auch wenn es innerlich kurz wackelt. Wichtig ist dabei: Nicht-Wissen ist kein Stillstand, sondern ein Übergangszustand. Etwas in dir sortiert sich neu. Alte innere Strukturen, die lange getragen haben, verlieren ihre Funktion. Neue sind noch nicht vollständig aufgebaut. In dieser Phase fühlt sich vieles leer, instabil oder diffus an. Das ist kein Rückschritt, sondern ein Zeichen von Reorganisation.

Viele Frauen machen den Fehler, diesen Zustand sofort wieder zu verlassen, weil er unangenehm ist. Sie springen zurück ins Denken, in alte Beziehungsdynamiken, in Aktivität oder in spirituelle Konzepte. Doch genau dadurch bleibt das Nervensystem im alten Loop. Sicherheit entsteht nicht durch neue Erklärungen, sondern durch neue Erfahrungen. Ein wichtiger Schlüssel ist, die Unruhe nicht zu bekämpfen, sondern sie zu begleiten. Statt zu fragen: „Was stimmt nicht mit mir?“ kannst du innerlich sagen: „Ich merke, dass mein System gerade Halt sucht.“ Allein diese Haltung verändert bereits etwas. Du gehst nicht gegen dich, sondern bleibst bei dir. Es hilft auch, das Nicht-Tun bewusst zu begrenzen. Du musst nicht sofort alles loslassen. Kleine Inseln reichen. Ein Moment am Tag, in dem du nichts lösen willst. Kein Journaling, kein Gespräch, keine Analyse. Nur Atmen. Spüren. Da sein. Dein Nervensystem lernt durch Wiederholung, nicht durch Einsicht.

Warum ständiges Reflektieren oft eine verdeckte Flucht vor Nähe ist

Warum ständiges Reflektieren oft eine verdeckte Flucht vor Nähe ist

Viele Frauen glauben, dass sie besonders tief verbunden sind, weil sie viel fühlen, viel verstehen und viel reflektieren. Und ja, Reflexionsfähigkeit ist eine große Stärke. Doch sie kann unbemerkt zu einem Schutz werden, wenn Nähe beginnt, wirklich spürbar zu werden. Nicht die Nähe zu anderen zuerst, sondern die Nähe zu sich selbst. Reflektieren hält Abstand. Es schafft einen inneren Beobachter, der analysiert, statt sich berühren zu lassen. Solange du über deine Gefühle nachdenkst, musst du sie nicht vollständig fühlen. Solange du Dynamiken erklärst, musst du dich ihnen nicht aussetzen. Das Nervensystem bleibt dabei in einer Art kontrollierter Distanz. Sicher. Wach. Aktiv. Aber nicht wirklich verbunden. Für viele Frauen ist genau das früh entstanden. Nähe war unberechenbar. Emotionale Verbindung war gekoppelt an Unsicherheit, Verantwortung oder Überforderung. Also wurde Denken zur Brücke. Wer versteht, ist nicht ausgeliefert. Wer analysiert, kann sich vorbereiten. Wer reflektiert, bleibt handlungsfähig. Nähe ohne Kontrolle wurde innerlich als Risiko abgespeichert. Heute zeigt sich das subtil. In Beziehungen, in Freundschaften, im Alltag. Du bist präsent, aber innerlich immer einen Schritt entfernt.

Du erklärst, statt zuzulassen. Du ordnest ein, statt dich fallen zu lassen. Und oft wunderst du dich, warum trotz aller Tiefe eine gewisse Einsamkeit bleibt. Warum Begegnungen nicht wirklich sättigen. Warum du dich selbst manchmal nicht richtig erreichst. Das Paradoxe ist: Viele Frauen reflektieren aus dem Wunsch nach Nähe und verhindern sie gleichzeitig. Nicht bewusst. Nicht aus Ablehnung. Sondern aus Schutz. Nähe bedeutet, nicht zu wissen, wie der andere reagiert. Nicht zu kontrollieren, was entsteht. Sich zeigen, ohne inneren Puffer. Für ein überlerntes Nervensystem ist das maximal herausfordernd. Wirkliche Nähe entsteht nicht durch Erklärungen, sondern durch Präsenz. Durch das Zulassen von Unsicherheit. Durch das Aushalten von Momenten, in denen nichts gesagt, nichts verstanden, nichts geregelt wird. Genau dort beginnt Verbindung auf einer tieferen Ebene. Zu anderen und zu dir selbst. Das bedeutet nicht, Reflexion aufzugeben. Es bedeutet, sie nicht mehr als Schutzschild zu benutzen. Sondern als Werkzeug, das du bewusst einsetzt. Und manchmal auch bewusst zur Seite legst. 

Wenn das Nervensystem Sicherheit sucht und der Verstand übernimmt 

Manche Frauen verwechseln innere Unruhe mit einem Zeichen dafür, dass sie noch nicht „weit genug“ sind. Dass sie noch mehr verstehen, noch tiefer schauen oder noch konsequenter an sich arbeiten müssten. Doch oft ist das Gegenteil der Fall. Das Nervensystem ist nicht überfordert, weil zu wenig reflektiert wurde, sondern weil es zu lange allein gelassen wurde. Wenn dein Nervensystem Sicherheit sucht und sie nicht findet, übernimmt automatisch der Verstand. Denken wird zur Notlösung. Analysieren zur Selbstregulation. Reflektieren zum inneren Halt. Das fühlt sich zunächst sinnvoll an, sogar stark. Doch auf Dauer erschöpft es. Denn der Verstand kann keine Sicherheit herstellen, er kann sie nur simulieren. Echte innere Sicherheit entsteht nicht durch Klarheit im Kopf, sondern durch Erfahrung im Körper. Durch das Gefühl: Ich bin nicht allein mit dem, was ich erlebe. Ich muss es nicht sofort lösen. Ich darf bleiben, auch wenn es gerade wackelt. Genau das fehlt vielen Frauen, die gelernt haben, sich selbst zu tragen, zu regulieren und zu stabilisieren, oft viel zu früh in ihrem Leben.

Das Nervensystem unterscheidet nicht zwischen damals und heute. Es reagiert auf Zustände. Wenn du heute innehältst, nichts tust und keine Erklärung findest, kann das alten Alarm auslösen. Nicht, weil etwas falsch läuft, sondern weil dein System diese Ruhe noch nicht kennt. Es braucht Zeit, Wiederholung und vor allem Mitgefühl, um zu lernen: Stillstand ist nicht gefährlich. Nähe ist nicht bedrohlich. Nicht-Wissen ist kein Verlust. In dieser Phase braucht es weniger Antworten und mehr Erlaubnis. Die Erlaubnis, nicht produktiv zu sein. Nicht klar. Nicht souverän. Sondern menschlich. Regulierbar. Begleitet. Und manchmal auch einfach müde. Vielleicht ist genau das die tiefere Wahrheit dieser Phase: Du musst nicht stärker werden. Du darfst weicher werden. Du musst nicht alles halten. Du darfst gehalten werden, von Beziehungen, von Momenten, von dir selbst. Und ja, auch von dem Leben, das dich bis hierher getragen hat. 

Fazit: 

Vielleicht musst du gerade nichts lösen, nichts verstehen und nichts verbessern. Vielleicht darf dein Nervensystem einfach lernen, dass es sicher ist, auch ohne ständige innere Bewegung. Ruhe ist kein Rückschritt. Sie ist ein Übergang. Und manchmal beginnt genau dort die tiefste Form von Heilung. Nicht durch Denken, sondern durch Dasein.

Häufige Fragen (Q&A)

Woran erkenne ich, dass mein Nervensystem überlastet ist? 

Ein überlastetes Nervensystem zeigt sich oft durch innere Unruhe, schnelle Überforderung, emotionale Reaktionen, Erschöpfung oder das Gefühl, dass plötzlich alles zu viel wird. Auch Schlafprobleme, körperliche Symptome oder Rückzug können Hinweise darauf sein, dass dein System keine Sicherheit mehr spürt.

Warum fühlt sich innere Veränderung oft so anstrengend und verwirrend an? 

Innere Veränderung verstehen, ist sehr wichtig und es bedeutet, alte Schutzmechanismen loszulassen, bevor neue Stabilität entstanden ist. Dein Nervensystem befindet sich in einer Übergangsphase, in der das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht greifbar ist. Diese Zwischenphase fühlt sich häufig unsicher an, ist aber ein natürlicher Teil von Wachstum. 

Warum fühle ich mich nach innerer Veränderung plötzlich einsam? 

Einsamkeit nach innerer Veränderung entsteht oft, weil alte Beziehungen, Rollen oder Dynamiken nicht mehr passen. Du bist innerlich weiter, während dein Umfeld sich nicht im gleichen Tempo verändert. Diese Einsamkeit ist kein Zeichen von Verlust, sondern ein Hinweis darauf, dass du dich neu ausrichtest.

Hilfe, um toxische Beziehungen zu verarbeiten und dir zu einem starken ICH zu verhelfen, erhältst du bei mir.
Ich freue mich auf dich.
Von Herz zu Herz, deine Martina

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert