Podcast - Narzissmus und toxische Beziehungen. Neue Folge online.

Podcast#143 – Die Retterin in toxischen Beziehungen

19. Mai 2023

„Ich rette die Welt!“ Das war eine Rolle, die ich seit Kindheitstagen perfekt beherrschte. Es war eine unbewusste Rollenverschiebung, die aus einem tiefen Trauma entstand. In dieser Position ist man weder das Opfer noch der Täter. Das Gegenteil ist der Fall. Man ist immer für alle da, sorgt im gesamten Umfeld für Harmonie und möchte die Verantwortung für andere übernehmen, aus der Überzeugung heraus, man wisse es besser und hat für alles eine Lösung. In diesem Moment übernimmt man keine Verantwortung für sich selbst und achtet weder auf seine eigenen Ressourcen und Bedürfnisse noch auf seine Gefühle. Man ist nicht bei sich, sondern die ganze Zeit über bei allen anderen.

Seiner eigenen Verletzung braucht man so nicht zu begegnen und eine Heilung ist nicht möglich, wenn man in dieser Rolle feststeckt. Man ist viel zu sehr mit der gegenüberliegenden Seite beschäftigt und mit den Problemen, die dort zu bewältigen sind. Im ersten Moment wirkt die Retter-Rolle so, als müsste sie wertgeschätzt werden, da so viel Investment entgegengebracht wird. Genau hier verbirgt sich eine Falle, da die Retter-Rolle eng mit der Täter-Rolle verzahnt ist.

In dem Augenblick, in dem wir uns selbst erhöhen, weil wir zum Beispiel einer Freundin zur Seite gestanden haben und davon ausgehen, dass wir den größten Anteil an dem Ergebnis haben, machen wir uns zu Rettern. Wir übernehmen für die andere Person die Verantwortung und degradieren diese quasi zum Komparsen. Dadurch, dass ich selbst in dieser Rolle lange Zeit festgesteckt habe, kann ich mit voller Überzeugung sagen, dass ich dieses nicht aus einer schlechten Intention herausgetan habe. Im Gegenteil! Ich dachte wirklich, dass ich etwas Gutes tue und dennoch bin ich das Interesse des anderen in dem Moment übergangen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass die Rolle des Retters in meinen toxischen Beziehungen, oftmals eine schwierige und anstrengende Position war. Der Wunsch zu helfen und retten zu wollen, führte dazu, mich selbst und meine Bedürfnisse zu vernachlässigen und letztendlich mir dadurch den größten Schaden zugefügt habe.

Podcast#143 - Die Retterin in toxischen Beziehungen

Motive des Retters in Beziehungen

Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass die Rolle des Retters in unterschiedlichen zwischenmenschlichen Beziehungen vorkommen kann. Diese kann sich in Freundschaften, im Arbeitsumfeld und eben auch in Liebesbeziehungen zeigen. Die Motive eines Retters in Beziehungen können sehr unterschiedlich sein und von Person zu Person variieren. Ich möchte dir nun einige mögliche Gründe erläutern, warum jemand in einer Beziehung die Rolle des Retters übernimmt.

Zum einen kann es das Bedürfnis nach Kontrolle sein. Der Retter hat in dem Moment das Kontrollbedürfnis, die Beziehung nach seinen Wünschen zu gestalten. Somit fühlt er sich besser und es entsteht eine Art von Sicherheit. Der Retter kann ein geringes Selbstwertgefühl aufzeigen und sich selbst nur dann als wertvoll oder wichtig empfinden, wenn er anderen hilft und sich um sie kümmern kann. Unbewusst erhofft er sich dann die Bestätigung und Anerkennung im außen. Das passiert nicht aus einer bösen Absicht heraus, sondern aus Schutzmechanismen, die den Ursprung in der Kindheit haben.

Der Retter kann durch die helfende Tätigkeit und das Retten anderer, ein Gefühl der Erfüllung oder Bestätigung erfahren, dass er in anderen Bereichen seines Lebens nicht findet. Somit wird die komplette Aufmerksamkeit auf die Person gerichtet, die gerade Unterstützung benötigt. Das kompensiert die eigene innere Leere und die schmerzhaften Gefühle, die dahinterstecken. Es ist eine Art Ersatzbefriedigung.

Aus eigener Erfahrung heraus kann ich sagen, dass ich aus der Angst vor dem Verlassenwerden gehandelt habe. Auf unbewusster Ebene war ich zutiefst davon überzeugt, wenn ich nur genügend Investment in diese Verbindung hineinstecke, dass ich dann nicht verlassen werde. Sobald ich das Gefühl hatte, nicht mehr gebraucht zu werden, ging die Panik in mir los und meine Verlassenheitswunde wurde getriggert. Somit war ich ständig damit beschäftigt in der Rolle des Retters zu agieren. Dadurch, dass ich selbst in der Vergangenheit Hilfe und Unterstützung erfahren habe, wollte ich nun anderen in ähnlichen Situationen helfen und ihnen ebenfalls das Gefühl vermitteln: „Du bist nicht alleine.“

Merkmale der Retter-Rolle

Merkmale der Retter-Rolle

Die Retter Rolle kann in Beziehungen durch unterschiedliche Merkmale gekennzeichnet sein. Die Person, die die Rolle des Retters einnimmt, hat oft ein starkes Bedürfnis anderen zu helfen und für sie da zu sein, insbesondere in schwierigen oder belastenden Situationen. Das kann gekoppelt sein mit Erfahrungen aus der Kindheit. Vielleicht erkennst du dich schon in der Rolle des Retters wieder und hast schon versucht, zum Beispiel deine Mutter, in der Kindheit zu retten. Vielleicht war sie sehr unglücklich und hat sehr viel geweint und du hast als Kind das Gefühl gehabt für sie verantwortlich zu sein. Bleibt dieses unerkannt, wird diese Verletzung aus der Kindheit auf die gegenwärtigen Beziehungen projiziert. Somit hast du vielleicht noch heute das Gefühl in dir für das Wohlbefinden und die Bedürfnisse anderer verantwortlich zu sein, was manchmal auch auf die Kosten der eigenen Bedürfnisse und des eigenen Wohlbefindens gehen.

Auch der eigene Perfektionismus kann einem in die Quere kommen und die Funktion des Retters auslösen. Der Retter wird alles Mögliche versuchen, eine perfekte Lösung für die Probleme des anderen zu finden und hat dabei hohe Ansprüche an sich selbst. Auch die Schwierigkeit der eigenen Abgrenzung unterstützt die Rolle des Retters. Das bedeutet, dass die Retter oft auch Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Grenzen zu setzen und zu wahren und für sich und die eigenen Bedürfnisse einzustehen. Es stellt eine große Hürde dar sich gegenüber anderen durchzusetzen, insbesondere wenn es darum geht, einfach mal nein zu sagen.

Was sich auch zusätzlich in der Rolle des Retters aufzeigt ist, dass sich Retter selbst auch als Opfer sehen. Dadurch, dass sie sich so sehr bemüht haben, wünschen sie sich in irgendeiner Form auch die Anerkennung und Dankbarkeit von anderen. Bleibt dieses aus, breitet sich eine tiefe Enttäuschung aus und sie sehen sich als Opfer ihrer eigenen Bemühungen.

In der heutigen Podcastfolge bespreche ich mit dir unter anderem:

  • Wer nimmt die Retterrolle ein?
  • Welche Motive und Merkmale haben Retter?
  • Kann ich was tun, um die Retterrolle abzulegen?

Wie lege ich die Retterrolle ab?

Das Ablegen der Retter-Rolle kann sich im ersten Moment schwierig gestalten, da es oft ein tiefverwurzeltes Verhaltensmuster ist, das im Laufe der Kindheit und der Zeit danach entstanden ist. Dennoch ist nichts unmöglich und aus eigener Erfahrung heraus kann ich sagen, dass es sehr wohl möglich ist bestimmte Verhaltensweisen abzulegen. Dafür braucht es ein bestimmtes Maß an Bewusstsein und Selbstreflektion.

Es ist wichtig, sich darüber bewusst zu werden, welche Motivationen und Bedürfnisse hinter der Retter-Rolle stehen. Zusätzlich ist es wichtig, die Fähigkeit zu entwickeln eigene Grenzen zu setzen, um das Verhaltensmuster der Retter-Rolle abzulegen. Das bedeutet, dass du zuerst immer wieder in dich hineinspüren solltest, ob du selbst über genügend Ressourcen, Kraft und Energie verfügst, um einer anderen Person Hilfe anbieten zu können. Wenn du deine eigenen Bedürfnisse und Grenzen nicht kennst oder dich auch nicht traust diese zu kommunizieren, kann es sehr schwierig werden, die Retter-Rolle aufzugeben.

Verfügst du über genügend Ressourcen, Kraft und Energie, darfst du selbstverständlich anderen Hilfe und Unterstützung anbieten. Dennoch ist es auch wichtig zu erkennen, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist und du somit niemanden deine Hilfe aufzwingen brauchst. Jeder geht für sich seinen eigenen Weg und jeder wird für sich seine eigenen Lösungen finden und dieses gilt es zu akzeptieren.

Wichtig ist auch, sich selbst zu akzeptieren und die eigenen Bedürfnisse immer an erster Stelle zu setzen. Du bist für niemanden eine gute Unterstützung, wenn du etwas nur halbherzig machst oder aus der falschen Motivation heraus. Akzeptiere auch für dich, dass es in Ordnung ist, nicht immer und jedem helfen zu müssen. Es ist völlig in Ordnung, dass andere ihre eigenen Entscheidungen und Konsequenzen haben. Selbst, wenn du erkennst, dass deine Lösung die bessere wäre, ist es wichtig, deine eigene Wahrheit niemanden aufzuzwingen.

Der letzte Schritt, den ich dir mitgeben möchte, ist die Möglichkeit, neue Perspektiven und Interessen zu entwickeln. Finde neue Dinge für dich, die dich interessieren und die dir Freude bereiten und konzentriere dich darauf, anstatt dich immer zu um die Probleme anderer zu kümmern. Du hast nur dieses eine Leben, fange an es zu genießen.

Hier kannst du dir diese Podcastfolge anhören:

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Ich freue mich auf dich.
Von Herz zu Herz, deine Martina

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