Podcast - Narzissmus und toxische Beziehungen. Neue Folge online.

Podcast#142 – Bindungsangst oder Narzissmus?

12. Mai 2023

Bindungsangst und Narzissmus sind zwei völlig verschiedene psychologische Konzepte, die sich auf unterschiedliche Weise auf zwischenmenschliche Beziehungen auswirken können. Wir alle haben vermutlich eine Vorstellung von einer gelingenden Beziehung. Meine Vorstellung sieht wie folgt aus: Zwei Menschen treffen sich, begegnen sich liebevoll, voller Vertrauen, Respekt und auf Augenhöhe. Sie verstehen sich, arbeiten gemeinsam an dieser Beziehung und wachsen so miteinander. Sie spüren, dass sie zusammengehören.

So in etwa könnte eine gesunde Beziehung aussehen, wenn zwei Menschen sich dafür entscheiden. Es kommt eine ganze Menge zusammen und in Bewegung. Ich habe mir selbst in den letzten Wochen sehr viele Gedanken darüber gemacht. Menschen sprechen davon, dass Liebe blind macht und auch ich habe so einmal gedacht. Doch bei genauerer Betrachtung, bin ich immer mehr davon überzeugt, dass nicht die Liebe blind macht, sondern ein tief verwurzeltes Trauma. Zusätzlich habe ich mir Gedanken über meine ehemaligen toxischen Beziehungen gemacht. Ich kann definitiv von mir behaupten, dass ich ein verlassenes inneres Kind in diese Beziehungen mit hineingenommen habe. Diese versehrten Anteile haben so sehr auf Erlösung durch einen Beziehungspartner gewartet.

Damals überschätzte ich mich und war zutiefst davon überzeugt, dass ich meine Partner retten kann. Sie erzählten mir von ihrer schweren Kindheit und was ihnen widerfahren ist. Ich bekam Mitleid mit ihnen und stellte meine eigenen Bedürfnisse hinten an. Am Anfang war alles so schön zwischen uns, was sich dann als Albtraum entpuppte. Als diese Beziehungen schlussendlich scheiterten, stellte auch ich mir die Frage, ob meine Partner „nur“ bindungsängstlich oder doch stark narzisstische Persönlichkeiten waren.

Podcast#142 - Bindungsangst oder Narzissmus?

Worin liegt der Unterschied zwischen Bindungsangst und Narzissmus

Bindungsangst bezieht sich auf die Angst vor engen emotionalen Bindungen

und Beziehungen. Menschen mit Bindungsangst haben in der Regel Schwierigkeiten damit, sich auf eine langfristige Beziehung einzulassen oder sich auf ihre Partner zu verlassen und ihnen zu vertrauen. Sie vermeiden oftmals Nähe und haben Schwierigkeiten damit, sich emotional zu öffnen. Sie ziehen sich in der Regel zurück, wenn die Beziehung zu intim und eng wird. Sie tun sich schwer damit Zuneigung und Liebe zu zeigen. Personen mit Bindungsangst können Schwierigkeiten damit haben, sich wirklich auf ihr Gegenüber einzulassen und somit auch Verpflichtungen einzugehen. Sie spüren inneren Druck und fühlen sich in ihrer Freiheit eingeschränkt, was ihnen wiederum große Angst macht.

Sie zweifeln ständig die Beziehung an und fragen sich, ob die Partnerin wirklich die Richtige für sie ist. Sie suchen quasi das Haar in der Suppe, um sich letztendlich aus der Beziehung zurückzuziehen. Sie spüren eine tiefe Unsicherheit in sich und fragen sich, ob sie jemals eine erfüllende Partnerschaft führen werden. Auch bindungsängstliche Personen haben Angst davor, verletzt oder abgelehnt zu werden. Ich selbst habe einige bindungsängstliche Personen kennengelernt, die eine starke Betonung auf ihre Unabhängigkeit gelegt haben. Sie haben es bevorzugt alleine zu bleiben oder ihre Freiheit zu forcieren. Die Angst davor, dass eine feste Beziehung ihre Freiheit einschränken könnte, war so unfassbar groß. Die Befürchtung, die eigenen Bedürfnisse vernachlässigen zu müssen, hielten sie davon ab eine Beziehung einzugehen. Es gibt schon eine gewisse Überlappung zwischen Bindungsangst und Narzissmus. Man trifft häufig auf dieses Phänomen. Dennoch möchte ich erwähnen, dass nicht alle bindungsängstlichen Menschen Narzissten sind.

Narzissten sind auch nicht in der Lage, tiefe emotionale Bindungen aufzubauen. Stattdessen pflegen sie eher oberflächliche Beziehungen, die vor allem dazu dienen, ihre eigenen Bedürfnisse nach Bewunderung und Bestätigung zu befriedigen. Narzissten haben große Schwierigkeiten darin, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Perspektiven und Bedürfnisse zu verstehen. Das habe ich zum Beispiel bei bindungsängstlichen Personen so in dieser Form nicht erlebt. Sie waren schon in der Lage, bestimmte Erfahrungen und Situationen zu reflektieren und diese zu verändern. Narzissten sehen andere Menschen vor allem als Mittel zum Zweck und behandeln sie auch dementsprechend.

Zusätzlich reagieren Narzissten extrem auf Kritik. Sie fühlen sich überdimensional verletzt und betrachten ihr Gegenüber schnell als Feind. Ebenfalls kommt es vor, dass narzisstische Persönlichkeiten ihre Partner kontrollieren und Dominanz ausüben, um die Macht innerhalb der Beziehung zu demonstrieren. Für sie ist es wichtig, die Partnerin in eine untergeordnete Rolle zu drängen. Sie wirken emotional distanziert und die Partnerin hat das Gefühl, ihren Partner nie so ganz zu erreichen. Physisch ist er zwar anwesend, emotional eher abweisend.

Narzissten neigen dazu, ihre Partner zu manipulieren, um immer wieder das Machtgefälle herzustellen und vor allem die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu befriedigen. Sie sind sehr geschickt darin. Sobald die Partnerin ein Problem anspricht, kann der Narzisst mit der Schweigebehandlung darauf reagieren oder durch Gaslighting, sie völlig an ihrem Verstand zweifeln lassen.

Woher kommt Bindungsangst?

Woher kommt Bindungsangst?

Bindungsangst kann aus einer Vielzahl von Gründen entstehen. Zum einen aus Erfahrungen in Beziehungen oder Verbindungen, die ungesunde Auswirkungen hatten oder traumatische Folgen. Zum anderen können Erfahrungen aus der Kindheit dazu beitragen, eine Bindungsangst zu entwickeln.

Durch sehr schmerzhafte Erfahrungen aus vergangenen Beziehungen, kann es passieren, dass man sich danach nicht mehr auf andere einlassen kann, aus Angst vor weiteren Verletzungen. Bis zu einem gewissen Grad an Nähe kann man vielleicht noch zulassen, doch sobald es in die Tiefe geht, gerät man in Panik und tritt die Flucht an. Das Vertrauen kann zutiefst erschüttert worden sein, so dass Menschen Schwierigkeiten haben, jemanden zu nahe an sich heranzulassen. In dem Fall sind dann eher lockere Affären oder One-Night-Stands im Fokus, da eine gewisse Tiefe fehlt.

Traumatische Erfahrungen können ebenfalls dazu beitragen, Bindungsangst zu entwickeln. Zu solchen Erfahrungen können emotionaler oder körperlicher Missbrauch zählen. Auch die Vernachlässigung oder andere Formen von Gewalt spielen hier mit hinein. Wenn dies in der Kindheit vorgekommen ist, hat das Kind nicht gelernt, dass sie sich auf die Zuwendung und Liebe ihrer Bezugspersonen verlassen kann. Dieses Trauma wirkt sich auf unbewusster Ebene auf die Beziehungen aus. Du kannst dir das folgendermaßen vorstellen: Die Partnerschaft ist die Leinwand und das Trauma aus der Kindheit, wird auf diese Leinwand projiziert.

Auch Persönlichkeitsmerkmale können dazu beitragen, eine Bindungsangst zu entwickeln. Hierzu gehört zum Beispiel eine geringe Selbstachtung oder ein geringes Selbstwertgefühl. Ebenfalls kann man bei Menschen mit Bindungsangst beobachten, dass sie Schwierigkeiten haben, mit ihren eigenen Emotionen umzugehen. Sie haben Angst vor Nähe und Verwundbarkeit.

In der heutigen Podcastfolge bespreche ich mit dir unter anderem:

  • Unterschiede zwischen Bindungsangst und Narzissmus
  • Können sich Bindungsängstler ändern?
  • Kann ich was tun?

Können sich bindungsängstliche Personen ändern?

Die Antwort lautet ja! Hier spielt ein wesentlicher Faktor eine große Rolle. Die bindungsängstliche Person selbst muss bereit sein an ihrem Bindungsmuster zu arbeiten. Es erfordert jedoch Zeit, Geduld, Disziplin und harte Arbeit, um diese Veränderungen zu bewirken. Der erste Schritt für Personen mit Bindungsangst ist normalerweise, sich über ihre Ängste und Unsicherheiten bewusst zu werden und anzuerkennen, dass es ein Problem gibt. Von dort aus kann man dann mit Therapeuten, Coaches oder Beratern zusammenarbeiten, um die Ursachen der Bindungsangst zu erkunden und Techniken zu erlernen, um die genannten Ängste zu bewältigen und gesunde Beziehungen aufzubauen.

Bei stark narzisstischen Persönlichkeiten führt dieses oftmals ins Nirgendwo. Dazu müsste man bereit sein sich zu verändern und das wollen Narzissten in der Regel nicht. Bitte überschätze dich da auch nicht selbst, indem du dir vormachst, mit deiner Liebe alles wandeln zu können. Man kann eine Person nur inspirieren und ermutigen in die Veränderung zu gehen. Zwingen kann man niemanden, nur damit man selbst nicht mit seinen Schmerzen in Berührung kommt. Bitte verstehe mich nicht falsch. Ich habe mir selbst jahrelang etwas vorgemacht und mich zutiefst gedemütigt, weil ich gebettelt habe und den Narzissten angefleht habe, sich Hilfe zu suchen. Er wollte partout nicht, was ja auch in seiner Entscheidungsfreiheit lag. Für dich ist es wichtig deine Würde zu behalten und dir gegebenenfalls Unterstützung zu suchen, um diese toxische Beziehung schlussendlich loslassen zu können.

Hier kannst du dir diese Podcastfolge anhören:

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Ich freue mich auf dich.
Von Herz zu Herz, deine Martina

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